Gewerbegebiet Süd: inkonsequent und nicht nachhaltig

„Planung aus der Mottenkiste“

Mit der Ausweisung des Gewerbegebiets Süd befasste sich der Ortsverband von Bündnis’90/Die Grünen bei seiner jüngsten Zusammenkunft. Als inkonsequent und nicht nachhaltig bezeichneten hierbei die Grünen-Stadträte die derzeitige Siedlungspolitik der Stadt. So soll eine Fläche von ca. 15 Hektar zur Bebauung freigegeben werden, obwohl Fa. Wild derzeit keine Erweiterungspläne hat. „Es ist vielmehr davon auszugehen, dass kurzfristig neues Gewerbe im Süden angesiedelt werden soll – mit allen Konsequenzen für die Umwelt und die Anwohner. Denn steht erst einmal ein rechtsgültiger Bebauungsplan, kann jeder dort im Rahmen der Festsetzungen ansiedeln. Die Folgen sind erhöhtes Verkehrsaufkommen, mehr Lärm und eine verstärkte Zersiedlung der Landschaft“, so die Grünen-Fraktion. Dabei sei vor Kurzem erst ein bestendendes Gewerbegelände im Norden in ein Wohngebiet umgewandelt worden. Mit den Flächen für das Neubaugebiet Lisgewann II würden somit knapp 15 Hektar der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Hinzu kämen Teile des alten Bahndamms, die als geschützte Biotope ausgewiesen sind. Die Fraktion: „Das Ganze ist  für uns blinder Aktionismus, hat mit nachhaltiger Stadtentwicklung nicht das Geringste zu tun und mutet an wie eine Planung aus der Mottenkiste.“ Für neues Gewerbe oder die Erweiterung bestehenden Gewerbes stünden nach Auffassung der Stadträte im Norden genügend Brachflächen zur Verfügung, die es vorrangig zu nutzen gelte.

Auf einhellige Ablehnung stießen auch die Pläne der Verwaltung, am Betonwerk einen Kreisel zu bauen und die derzeit provisorische Straße über den Bahndamm zu erweitern, wodurch zusätzlicher Verkehr in die Kirchheimer und Albert-Schweitzer-Straße gezogen werden würde. Auch für die geplante Verlegung der Kreisstraße nach Westen am Kleintierzuchtverein vorbei fehle nach Meinung der Fraktion jede Grundlage, da der Kreis bislang „keinerlei Signale gegeben hat, auch nur einen Pfennig in die Verlegung der Kreisstraße zu investieren“.

Grundsätzlich begrüßte die Grünen-Fraktion eine Erweiterung der Wild-Werke im Süden, lehnte jedoch eine großflächige Ausweisung sozusagen in „vorauseilendem Gehorsam“ ab. Die Argumentation der Verwaltung, man wolle für den Fall einer Werkserweiterung vorbereitet sein, sieht die Fraktion als Vorwand, ein zweites durchmischtes Gewerbegebiet zu forcieren. Sie forderte daher, nur soviel Gelände auszuweisen, wie Fa. Wild tatsächlich benötige. „Dass es im Bedarfsfall schnell geht, hat das Beispiel der Prozesswasseraufbereitungsanlage gezeigt: In kürzester Zeit lagen alle Genehmigungen vor.“ Darüber hinaus solle der alte Bahndamm von Bebauung freigehalten und stellenweise renaturiert werden. Die Fraktion abschließend: „Wir verstehen das Interesse der Eigentümer, ihre Flächen gewinnbringend zu veräußern. Aber: Eigentum verpflichtet auch, und der Schutz von Natur und Umwelt ist eine solche Verpflichtung.“ (ids)

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