Vorfahrt für Lebensqualität und Umwelt in der Stadtentwicklung

Der Klimawandel führt zu Veränderungen, die auch Eppelheim vor große Herausforderungen stellen. Die Risiken für die Bewohner, die kommunale Infrastruktur, das Stadtgrün und die Natur werden durch hochsommerliche Extremtemperaturen, Dürreperioden und Stürme weiter steigen. In Eppelheim kommt hinzu: Rund 53 Prozent der Gemarkung sind schon heute durch Siedlungs- und Verkehrsflächen überbaut. Allein in den letzten 18 Jahren ist die Siedlungsfläche um acht Prozent gestiegen. Im gleichen Maße stieg der Bestand an Fahrzeugen. Und die Stadt wächst weiter. Der angespannte Wohnungsmarkt und die günstige Lage machen Eppelheim weiterhin zu einem begehrten Wohnort. Die Folgen: Die Straßen platzen aus allen Nähten. Es wird immer mehr versiegelt. Immer mehr Grün fällt weg.

Angesichts dieser Entwicklung lud der Vorstand von Bündnis 90/Die Grünen zu einem Diskussionsabend unter dem Titel „Klimakrise und Stadtentwicklung: Wie weit wollen wir wachsen?“ ein. Fraktionssprecherin Christa Balling-Gündling erläuterte zunächst die aktuelle städtebauliche Praxis. „Alle Parteien schmücken sich gerne mit dem Etikett des Klimaschutzes. Beim Städtebau hat sich aber kaum etwas geändert. Es wird weiter ohne adäquaten Ausgleich gebaut. Der Trend geht zum Bauen in der zweiten Reihe. Weil Bebauungspläne oftmals fehlen, wird im Kleinen ohne Umweltprüfung geplant. Das schafft Präzedenzfälle. Die Folge: In manchen Stadtteilen wird die Verdichtung weiter zunehmen. Das hat langfristige Folgen für das Stadtklima.“

In der anschließenden Debatte kristallisierte sich schnell heraus: Eppelheim ist an seine Grenzen gelangt. Die Stadt braucht kein weiteres Wachstum. Ein größerer Zuzug durch neue Siedlungen wurde entsprechend kritisch gesehen. Wichtiger sei vielmehr, in städtische Attraktivität und die Umwelt zu investieren. Stadtrat Marc Böhmann brachte es auf den Punkt: „Wir sehen uns in erster Linie den Menschen verpflichtet, die in unserer Stadt leben. Vorrangiges Ziel ist es, ihre Lebensqualität zu verbessern.“ Einig war man sich auch in Sachen Nachverdichtung. Diese soll es weiterhin geben. Allerdings nicht um jeden Preis. Balling-Gündling: „Nachverdichtung braucht klare Umweltkriterien. Aspekte wie Kalt- und Frischluftproduktionsflächen, Grünflächen, Dach- und Fassadenbegrünung oder umweltfreundliche Mobilität müssen stärker berücksichtigt werden. Zudem braucht Eppelheim flächendeckende Bebauungspläne. Nur so verhindern wir Wildwuchs und Fehlentwicklungen.“

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