75 Jahre Kriegsende

Die Bedrohung durch die Corona-Pandemie verdrängt ein historisches Datum in den Hintergrund: Vor 75 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende, das millionenfache Sterben in Europa und der Welt war nach sieben Jahren beendet. Viele Verbrechen der Kriegszeit und der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft kamen erst viel später ans Tageslicht.

Die Geschichte des Karfreitags 1945 in Eppelheim ist ein Zeugnis für Heldenmut und Verdrängung zugleich. Am Gründonnerstag rückten von Westen die ersten amerikanischen Truppen auf Eppelheim/Heidelberg vor. Granaten schlugen im Umfeld von Eppelheim ein, in Richtung Mannheim konnte man die alliierten Truppen beobachten, die sich für den Marsch nach Westen vorbereiteten. Der Eppelheimer Bürger Jakob Krambs wollte die Zerstörung seines Heimatdorfes Eppelheim verhindern, schwenkte vom Türmchen des alten Rathauses eine weiße Fahne und wurde von einer deutschen Kampftruppe erschossen. Jakob Krambs war wohl selbst verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt; seiner Witwe und seinem Sohn wurde 1951 eine Entschädigung verweigert.

Im April 1985 beantragten die grünen Gemeinderäte Doris Neuer, Helmuth Lechner zusammen mit Martha Weber von der SPD, die Benennung einer Straße nach dem Eppelheimer Maurer Jakob Krambs. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Vielleicht ist es jetzt 75 Jahre nach Kriegsende möglich, eine Gedenktafel für Jakob Krambs an der Stelle des alten Rathauses (jetziges Feuerwehrhaus) anzubringen.

Durch die Corona-Pandemie konnten leider die Ergebnisse der Nachforschungen engagierter Bürgerinnen und Bürger auch zu den dunklen Seiten der Eppelheimer Geschichte nicht vorgestellt werden. Dies wird sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt geschehen; denn: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ (Wilhelm von Humboldt). (mg)

Foto: Martin Gramm

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