Eppelheim macht bei Cradle to Cradle mit – Was ist das?

Seit der Gemeinderatssitzung am 28.09.2020 ist die Stadt Eppelheim – zum Jahresbeitrag von 800 Euro – Mitglied im eingetragenen Verein Cradle to Cradle. Was ist das? Bis eine Woche vor dieser Sitzung wusste ich noch nicht einmal, dass es dies überhaupt gibt. Umso überraschter war ich von diesem klugen Konzept. Hierbei wird jedes Produkt nach seiner Nutzung entweder komplett von der Natur als Nährstoffe genutzt oder jedes technische Gerät ist so konzipiert ist, dass alle Teile wieder verwertet werden können. Das große Ziel ist: kein Müll mehr produzieren. Diese Ideen gibt es natürlich schon länger. Der „Grüne Punkt“ ist ein kleiner, verzweifelter Schritt in die richtige Richtung. Aber nur wenige trennen ihren Müll richtig. Die angebliche Wiederverwertung beschert uns Müllinseln in den Ozeanen und läuft größtenteils ins Absurde, da es viel zu viele Verpackungsmaterialien gibt.

Auch wenn wir uns das heute kaum noch vorstellen können, gab es Zeiten in denen kein Müll anfiel. Die Küchenabfälle landeten entweder auf dem Komposthaufen oder im Schweinestall. Lebensmittel waren nicht tausendmal in Plastik verpackt. Möbel waren aus Holz, Teppiche und Stoffe aus Wolle oder Baumwolle. Materialien, die rückstandsfrei verrotten.

Das Konzept Cradle to Cradle sieht vor, dass zum Beispiel nur Verpackungsmaterialien verwendet werden, die entweder verrotten, also in den natürlichen Nährstoffkreislauf der Natur zugeführt werden können, oder komplett wieder für neue Verpackungen oder ein anderes Produkt verwertbar zur Verfügung stehen. Wenn Neubauten gebaut werden, sind die Baustoffe möglichst wieder zu verwenden. So werden Gebäude gleichzeitig zu Materiallagern, was langfristig Kosten senkt.

Das Großartige ist, dass mit diesen Konzepten auch endlich die Hersteller mit in die Verantwortung genommen würden. Heute ist es so, dass alles, was an Müll, verseuchtem Wasser oder verschmutzter Luft bereits bei der Herstellung anfällt, uns Verbrauchern weitestgehend verborgen bleibt. Deshalb muss das Ziel auch mehr Langlebigkeit der Produkte sein. Denn auch Recycling verbraucht Energie und Wasser. Gebäude, die nach 30 Jahren wieder abgerissen werden, sind eine große Belastung für Klima und Natur, auch wenn sie wieder in den Kreislauf gehen. Leicht umzusetzen wäre die Nutzung von recycelten Papierhandtüchern und Toilettenpapier in allen Schulen und öffentlichen Gebäuden. Für unsere Fraktion steht auch fest: Cradle to Cradle ist nur in Verbindung mit einem Müllvermeidungskonzept sinnvoll, wie ihn der Gemeinderat bereits beschlossen hat. Der beste Müll ist der, der erst gar nicht entsteht.

Mit diesem sinnvoll angelegten Mitgliedsbeitrag hat die Stadt nun die Möglichkeit, sich bei der umweltfreundlichen Umsetzung von Bauvorhaben, Unterstützung und Beratung zu holen. Mit knapper Mehrheit ohne die Stimmen der CDU/FDP und EL konnten wir Grünen mit der Bürgermeisterin und der SPD-Fraktion diesen zukunftsweisenden Ansatz für Eppelheim zugänglich machen.

Unter claudia.grau-bojunga@gruene-eppelheim.de stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Foto: Stefan Schwerdt

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