Isabel Moreira da Silva

Grün in der Stadt: Erholung und Klimaschutz vor der Haustür

Es ist noch nicht lange her, da las ich in den Sozialen Medien den Kommentar einer aufgebrachten Mutter: Unter dem strengen Lockdown im März wurde der Stadtpark wegen Überfüllung gesperrt. Es sind Kinder, wo sollen sie hin? – lautete die berechtigte Frage. Die Maßnahme war zugegebenermaßen hart, aber pandemiebedingt notwendig. Sie warf aber ein Schlaglicht auf ein generelles Problem in unserer Stadt: Es gibt zu wenig öffentliche Orte der Erholung und Bewegung. Wer nicht mit einem Garten gesegnet ist, dem bleiben nur die Parks und Plätze oder Felder. Zumindest Ersteres ist definitiv Mangelware.

Es wirft auch die Frage auf: Wie weit dürfen wir unsere Stadt zubauen? Derzeit wird auf dem Gugler-Gelände zwischen Karl-Metz- und Heinrich-Schwegler-Straße ein ganzes Quartier mit über 60 Wohneinheiten entwickelt. Dabei sollen vier- bis fünfstöckige Blöcke in zentraler Lage entstehen. Die große Blockbebauung wirkt sich auf die Wohnumgebung, die Luftströme und das Stadtklima aus. Die Menschen, die dort einmal wohnen werden, produzieren natürlich Verkehr. Auch sie brauchen Naherholung vor der Haustür. Ihre Kinder werden irgendwo spielen und toben wollen.

Stadtentwicklung endet eben nicht damit, immer weiter zuzubauen. Es braucht einen attraktiven öffentlichen Raum im Umfeld. Städtische Grünflächen sind dafür unverzichtbar. Ja, sie sind kostbar. Seit Jahren fordern wir deshalb, unsere Plätze und Parks in der Innenstadt aufzuwerten und zu erweitern. Das bedeutet auch: Wenn wir es mit der Verkehrswende und der Anpassung an den Klimawandel ernst nehmen, müssen wir öffentlichen Raum als Grünflächen den Menschen zurückgeben. Nach dem Motto „die Stadt den Menschen“.

In Heidelberg wird ein anderes städtebauliches Modell erprobt. So genannte öffentliche Pocket-Parks oder Westtaschenparks werden bei der Neubebauung von Quartieren wie etwa dem alten Bauhaus-Gelände an der Bahnhofsstraße vorgesehen. Aber auch auf ungenutzten oder versiegelten städtischen Flächen können Miniaturparks entstehen. Pocket-Parks bieten den Menschen vor Ort Raum für Erholung und Begegnung. Sie kühlen an heißen Sommertagen und senken die klimaschädlichen CO2-Emissionen. Sie helfen mit, die Stadt an die Folgen des Klimawandels anzupassen – und sie machen unsere Stadt schöner. Das eröffnet auch Eppelheim viele Möglichkeiten. Zugegeben, in Zeiten klammer Kassen ist das schwierig. Aber über Bürgerbeteiligung und Förderprogramme wie „Klimopass“ ließe sich einiges umsetzen. Nicht alles auf einmal, aber schrittweise nach Haushaltslage. Die Menschen würden es uns danken.

Haben Sie Fragen oder Anregungen hierzu? Schreiben Sie mir unter isabel.moreira-dasilva@gruene-eppelheim.de.

Foto: I. Moreira da Silva