Im Gespräch

Naturnahe Gärten bieten Heimat für Mensch und Tier

Interview mit Hubertus Mauss

Was verbindest du spontan mit dem Thema Garten?

Mauss: Mein Garten ist tatsächlich meine Oase, wo ich entspannen und zur Ruhe kommen kann. Gleichzeitig entdecke ich an diesem so lebendigen Ort aber auch immer wieder Neues und Spannendes. Etwas überspitzt formuliert ist mein Garten meine Lieblingsgeliebte…

Was ist das Besondere an deinem Garten? Könntest du ihn kurz beschreiben.

Mauss: Er ist sehr vielfältig und es blüht tatsächlich immer etwas das ganze Jahr über. Der Garten ist eine sehr angenehme Mischung aus Lebendigkeit und einer ordnenden Hand im Hintergrund. Außerdem ist er sehr üppig und ein toller Kontrapunkt inmitten eines Häusermeers.

Welche besonderen Tiere siehst du ab und zu in deinem Garten?

Mauss: Im Winter eher besondere Vögel wie zum Beispiel einen Kernbeißer oder ein rastender Schwarm von Singdrosseln. Im Sommer freue ich mich jedes Mal besonders über Wildbienen und Hummeln, die ich vorher noch nie gesehen habe. Und diesbezüglich ist viel los in meinem Garten. Wichtig ist, sich Zeit beim Beobachten zu lassen.

Was kennzeichnet allgemein einen naturnahen Garten?

Mauss: Ein naturnaher Garten lässt zuallererst Raum für die natürlichen Prozesse im Garten. Es wird zum Beispiel nicht kontraproduktiv aufgeräumt und das Laub aus den Beeten gekratzt, sondern dieses dort belassen, damit es die Fruchtbarkeit des Bodens erhält. Im naturnahen Garten werden meist einfachblühende Pflanzen verwendet, die viel Pollen und Nektar bieten. Auch sollte man Versteckmöglichkeiten und Plätze zum Nisten für Vögel anbieten, zum Beispiel in Form einer dichten Wildsträucherhecke. Grundsätzlich ist im Naturgarten entspanntes Zulassen und nicht Ordnungswahn und der Wunsch nach kurzgeschorener Gepflegtheit angesagt.

Wie viel Zeit in der Woche verbringst du durchschnittlich in deinem Garten?

Mauss: Wenn mir meine anderen Aktivitäten und Verpflichtungen das erlauben, verbringe ich tatsächlich sehr viel Zeit in meinem Garten. Dabei gestalte ich immer mal wieder oder experimentiere mit neuen, mir unbekannten Pflanzen. Ganz wichtig bei all der „Arbeit“ ist aber unbedingt, auch einfach mal nichts zu tun und dieses wundervolle Paradies einfach zu genießen.

Eine Frage an den Gartenprofi: Ich habe noch ein kleines Stück Erde frei, was soll ich am besten darauf pflanzen?

Mauss: Wenn nach oben kein Limit gesetzt ist und die Nachbarn sehr entspannt sind, dann pflanz den größten Baum, den du kriegen kannst! Oder aber du pflanzt Steinquendel, der zwischen Juli und September jeden Tag hunderte Bienen und Hummeln mit Nektar und Pollen versorgt. Da ist dann auch immer was los!

Und was empfiehlst du jemandem, der keinen Garten hat?

Mauss: Auch auf dem kleinsten Balkon, der Fensterbank oder einem kleinen wilden Eck vor Haus kann man etwas pflanzen. Bienen und Hummeln freuen sich zum Beispiel über blühende Kräuter. Auch eine Wildblumenmischung gedeiht gut im Blumentopf. Das erfreut nicht nur die Insekten, sondern auch das Auge und die Seele.

Das Interview wurde von Vorstandsmitglied Sébastien Elbracht geführt. Zeigen auch Sie uns Ihren Garten. Der Fotowettbewerb „Eppelheim summt“ läuft noch bis 15. September. Infos und Teilnahmebedingungen finden Sie unter gruene-eppelheim.de/fotowettbewerb.