Christa Balling-Gündling

Regionalplan: Freie Fahrt für Flächenfraß

Beitrag von Christa Balling-Gündling in den Eppelheimer Nachrichten // Beitrag vom 12.08.21

So könnte man die Stellungnahmen der Mehrheit des Eppelheimer Gemeinderates am 05.07.2021 zum neuen Regionalplan bezeichnen. Dieser betrifft auch den Rhein-Neckar-Kreis und soll für die nächsten zehn bis 15 Jahre Gültigkeit haben. Konkret ging es um die geplanten neuen zusätzlichen Flächenausweitungen für Wohn- und Gewerbegebiete. Obwohl im bestehenden Regionalplan bereits potentiell noch 2700 Hektar Wohnbauflächen zur Verfügung stehen, sollen nach dem Umweltbericht weitere 840 Hektar jetzt restriktionsfrei für Siedlungserweiterungen zur Verfügung gestellt werden. Davon 505 Hektar für Wohnen und 335 Hektar für Gewerbe. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Flächen, die bisher Vorranggebiete für regionale Grünzüge oder Grünzäsuren sind. Nicht nachvollziehbar war für unsere Fraktion daher die generelle Zustimmung der Mehrheit der anderen Fraktionen zum erweiterten Regionalplan.

In Zeiten des massiv fortschreitenden Klimawandels und Artenschwundes weitere wichtige Grün- und Ackerflächen in der Metropolregion zur Versiegeln freizugeben, ist ein fatales Zeichen. Grund und Boden sind nicht vermehrbar. „In Deutschland wird zu viel Fläche verbraucht: täglich rund 60 Hektar Landschaft für Gewerbe, Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen…. Dagegen dauert es 2000 Jahre bis zehn Zentimeter fruchtbarer Boden entsteht“, heißt es in einem offenen Brief des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) an den Planungsausschuss Verband Region Rhein-Neckar. Schon Mitte der 1980er wurde im Baugesetzbuch festgelegt, den Flächenverbrauch zu beschränken. Die Resultate und Ergebnisse sind ernüchternd.

Das damals gesetzte Ziel, bis 2020 deutschlandweit nur noch 30 Hektar/Tag zu verbrauchen, wurde bei Weitem nicht erreicht und auf 2030 verschoben. Mit den jetzt in der Planaufstellung befindenden Änderungen des Einheitlichen Regionalplans (ERP) Rhein-Neckar wird das gesetzte Einsparziel eines verantwortlichen Umgangs mit der endlichen Ressource Boden bis 2030 abermals verfehlt. Die jüngste Flutkatastrophe hat aber gezeigt, dass die Auswirkungen des Klimawandels immer dramatischer werden und wie wichtig die Erhaltung von Freiflächen bei Starkregen in Zukunft sein wird.

Erfreulich war indes, dass eine Mehrheit des Gemeinderats klar gegen eine Ausweitung der Bauflächen zwischen Silcherweg und Jugendzentrum votierte, wie dies vom Regionalplan vorgeschlagen worden war. Wenigstens hier hat eine Mehrheit die Zeichen der Zeit erkannt und ein klares Zeichen gegen weiteren Flächenfraß in Eppelheim gesetzt. Umso unverständlicher war die Begründung der SPD-Fraktion zu ihrer Zustimmung, da „es sonst zu einem Stillstand käme“. Nicht richtig war auch ihre Feststellung in den Eppelheimer Nachrichten vom 16.07.2021, wonach diese Fläche am Jugendzentrum einer Nutzung als Naherholungsgebiet gedient hätte. Im vorgelegten Plan ging es um die Freigabe zum Siedlungsbau.