Arbeitskreis „Verkehr“ besichtigte Begegnungszonen in Burgdorf und Biel

Auf Ideensuche in der Schweiz
Die Schweizer sind uns in vielen Dingen voraus. Auch in Sachen alternative Verkehrskonzepte. Dass da etwas abzuschauen ist, das erfuhren jetzt auch einige Mitglieder des Arbeitskreises „Verkehr“ der Eppelheimer Grünen, die im Dezember eine Exkursion nach Burgdorf und Biel unternahmen.

Foto (ids) (v.l.n.r.): Chr. Girmond, M. Gramm, I. Moreira da Silva, H. Nickisch-Kastner, W. Schmittel (alle AK Verkehr), P. Hänsenberger (Leiter Baudirektion Burgdorf), D. Ammon (Geschäftführer Velostation)

Die 5-köpfige Delegation zeigte sich beeindruckt vom Schweizer Konzept der Begegnungszonen. Das Modell, das Fußgängern, Radfahrern, Auto-Fahrern und ÖPNV eine gleichberechtigte Nutzung des Straßenraums ermöglicht, hat bei den Eidgenossen mittlerweile eine 15-jährige Tradition und wird in schätzungsweise 400 Orten in vielen Varianten mit Erfolg umgesetzt.

Der Hintergrund: Seit 20 Jahren werden Untersuchungen und Pläne für den Verkehr in Eppelheim gemacht. Passiert ist bislang nichts. Allen bisherigen Vorschlägen war gemeinsam: Eine Entlastung der Hauptstraße musste stets durch Verlagerung des Verkehrs in benachbarte Straßen erkauft werden. Mit dem Ergebnis, dass die Betroffenen sich vehement zur Wehr setzten und die Stadt immer wieder von einer Realisierung Abstand nahm.

Das Schweizer Modell der Begegnungszone bietet hier einen interessanten Lösungsansatz, weil es allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird. Voraussetzung ist eine Reduzierung der Geschwindigkeit, die Umgestaltung des Straßenraums und gegenseitige Rücksichtnahme. So haben in Burgdorf Fußgänger in den betroffenen Geschäftsstraßen Vorrang vor den anderen Verkehrsteilnehmern, bei Tempo 20 und besonders ausgewiesenen Parkflächen. Interessant ist auch die damit gekoppelte Velostation, ein Sozialhilfeprojekt mit Fahrradreparatur und -stellplätzen am Bahnhof sowie einem Lieferservice für Kunden der Einzelhandelsgeschäfte. In Biel wurde der Zentralplatz durch minimale Fahrbahnveränderungen, Tempo 20 und Aufhebung von Parkplätzen zu einem öffentlichen Raum, der gleichermaßen für Fußgänger, Rad- und Kfz-Fahrer eine hohe Aufenthaltsqualität schafft.

Ein erstes Fazit der Reise: Eins zu eins lassen sich solche Lösungen nicht auf Eppelheim übertragen. Aber Denkanstöße, Ideen und Kontakte, die uns voranbringen, gab es viele. So ist eine weitere Besichtigung in Köniz in der Schweiz angeregt worden, wo man 2004 eine „Koexistenzzone“ mit Tempo 30 in der Hauptstraße einrichtete. Aber auch im Ländle tut sich was: In Stuttgarts Innenstadt wird im nächsten Jahr eine Mischverkehrszone nach dem Konzept des gemeinsam genutzten Raums eingerichtet. Fußgänger, Radfahrer und Autos werden ein Teilstück zwischen Eberhard- und Paulinenstraße gleichberechtigt nutzen können.

Es ist also noch einiges zu tun auf unserer Ideentour. Interessierte Mitreisende aus der Eppelheimer Bevölkerung sind uns herzlich willkommen. Der Arbeitskreis „Verkehr“ hat sich zur Aufgabe gemacht, für das Verkehrsproblem Nummer eins, die Hauptstrasse, Ideen zu suchen und mögliche Alternativen aufzuzeigen. (ws/ids)

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