Landtagsabgeordneter Dr. Andre Baumann und die Eppelheimer Grünen zu Besuch im „Repair Café“ Eppelheim
Im großen Raum des „Haus der Begegnung“ in der Eppelheimer Hauptstraße herrscht reger Betrieb und gleichzeitig eine sehr konzentrierte Atmosphäre: An insgesamt fünf Tischen sitzen Bürgerinnen und Bürger mit ihren Problemfällen: ein Koffer, bei dem der Reißverschluss klemmt, eine Stehlampe, die nicht leuchtet, ein defekter Akkuschrauber oder eine Nähmaschine, die den Geist aufgegeben hat. Und gegenüber an den Tischen in neuen, blauen T-Shirts sitzen die Mitglieder des „Repair Café“, einer Ehrenamtsgruppe im „Haus der Begegnung“. Die Aktiven haben es sich unter dem Motto „Wegwerfen? Denkste!“ zur Aufgabe gemacht, defekte Geräte und Dinge zu reparieren. Mittendrin heute auch der Landtagsabgeordnete Dr. Andre Baumann, der gekommen ist, um die Gruppe und die Arbeitsweise des Eppelheimer „Repair Cafés“ kennenzulernen. Begleitet wird er von Stadtrat und Grünen-Sprecher Marc Böhmann sowie Tobias Distler, Mitglied im Grünen-Vorstand.
Dr. Andre Baumann ist als Staatssekretär im Umweltministerium auch für Kreislaufwirtschaft zuständig. „Für mich ist der Besuch beim ‚Repair Café‘ eine Herzensangelegenheit. Die Ehrenamtlichen leisten Großartiges und leben vor, was Nachhaltigkeit bedeutet“, so Baumann im Gespräch mit Hildegard Lacroix, die als Ansprechpartnerin der Gruppe fungiert. Heute haben sich mehr als zehn Bürgerinnen und Bürger vorangemeldet. Sie kommen mit allem Möglichen, was im Haushalt kaputt gehen kann: Kaffeemaschine, Fahrrad, Lampe, Schalter, Türschloss oder Wasserkocher. „Das ‚Repair Café‘ hat immer am ersten Samstag im Monat nachmittags von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet“, so Hildegard Lacroix. „Wir freuen uns, wenn sich die Leute vorher schriftlich anmelden, aber helfen natürlich auch denjenigen, die spontan mit ihrem Problemfall vorbeikommen“, berichtet Klaus Müller, der sich von Anfang an, also seit fast fünf Jahren, beim „Repair Café“ engagiert. Insgesamt wird die Gruppe von rund zwölf Aktiven getragen. „Wir wollen natürlich auch einen Beitrag gegen die verbreitete Wegwerfkultur leisten „, unterstreicht Christian Müller-Gebhard. Da trifft er bei Dr. Andre Baumann, der mit den Aktiven und den Bürgerinnen und Bürgern reihum spricht, auf offene Ohren. „Es ist gut und wichtig, dass es in der EU das Recht auf Reparatur gibt“, sagt Dr. Andre Baumann, der sich als Staatssekretär auch auf europäischer Ebene für nachhaltige Produkte engagiert. „Alle Produkte müssen außerdem vom Ende her geplant und produziert werden. Sie müssen so hergestellt sein, dass sie langlebig, leicht reparierbar und am Ende auch gut recycelbar sind“, so Baumann im Gespräch mit dem Team des „Repair Cafés“.
Helmuth Lechner, der ebenfalls seit fünf Jahren fester Teil des Teams ist, überschlägt: „Seit 2021 konnten wir mit unserer Arbeit rund 1000 Bürgerinnen und Bürgern helfen, dass ihr kaputtes Gerät wieder funktioniert. Und dass ihr Alltag damit auch leichter ist.“ David Blümlinger, ein jüngerer Aktiver, berichtet stolz den Besuchern quasi aus dem Nähkästchen: „Viele Geräte sind immer noch so gebaut, dass eine Reparatur vom Fachbetrieb finanziell kaum lohnt. In diesen Fällen setzen wir oft auch improvisierte Lösungen um, die teilweise dann viel länger halten als das Original.“ Und Klaus Müller ergänzt: „Manchmal bestellen wir auch Ersatzteile, so zum Beispiel bei Kaffeemaschinen oder Staubsaugern, die wir dann einen oder zwei Monate später einbauen.“
Hildegard Lacroix betont, dass die Idee des „Repair Cafés“ die Hilfe zur Selbsthilfe ist. „Aber natürlich tun wir alles, was möglich ist, damit die Dinge, die defekt sind, wieder funktionieren.“ Auf die Frage von Dr. Andre Baumann, warum die Ehrenamtlichen sich hier beim „Repair Café“ engagieren, sprudeln die Antworten nur so heraus: „Es ist schön, anderen zu helfen. Die glänzenden Augen von den Bürgerinnen und Bürgern sind mit Geld nicht zu bezahlen“, sagt Rolf Grai. Und Christian Müller-Gebhard ergänzt, dass die Teammitglieder auch viel voneinander lernen. „Auch das macht sehr viel Spaß!“.
Am Ende des einstündigen Besuchs von Dr. Andre Baumann betont Hildegard Lacroix, dass sich das Team noch mehr Öffentlichkeit wünscht. Damit sie noch mehr Menschen helfen können. Schwierig empfinden sie auch, dass sie zwar einen eigenen Schrank im „Haus der Begegnung“, aber keinen eigenen Raum haben, wo sie die Werkzeuge und Arbeitsgeräte liegen lassen können. Und das Team würde sich außerdem über noch einige jüngere Aktive freuen. Zum Beispiel jemand, der älteren Bürgerinnen und Bürgern bei Handy- oder Computerproblemen helfen kann.
„Eure Begeisterung für euer Projekt und für Nachhaltigkeit ist in euren Gesichtern zu lesen. Vielen herzlichen Dank für Euer Engagement!“, freut sich Dr. Andre Baumann über diese fantastische Einrichtung am Ende seines Besuches. Auch Grünen-Sprecher Marc Böhmann bedankte sich bei dem „Repair-Café“-Team und unterstrich: „Die zahlreichen Gruppen im Haus der Begegnung leisten einen wichtigen und großartigen Beitrag zu unserer lebendigen Stadtgesellschaft. Das ‚Repair Café‘ ist dabei ein Leuchtturm des bürgerschaftlichen Engagements!“.