Maulbeerallee ade? – Grüne befürchten Zerstörung des alten Bahndamms und Ausbau der Leonie-Wild-Straße

Erholungsgebiete, die schnell zu erreichen sind, braucht jede Gemeinde. Der grüne Bahndamm ist so ein Gebiet. Er führt entlang der südlichen Bebauungsgrenze und ist eine der letzten natürlichen Flächen in Eppelheim. Den Menschen, die dort leben, dient er als Puffer zum lärmenden Gewerbegebiet. Bei schönem Wetter wird er von vielen Familien mit Kindern, Radfahrern und Joggern genutzt. Gleichzeitig ist er ein wichtiger Rückzugsraum für seltene Tiere und Pflanzen.

Dieses Gebiet sehen die Grünen nun gefährdet. „Wir beobachten mit Sorge, dass der Bürgermeister die Bebauung des Bahndamms massiv vorantreiben will“, sagt Christa Balling-Gündling. „Er weiß natürlich, dass den Bürgerinnen und Bürgern der Bahndamm wichtig ist. Die Angelegenheit soll deshalb nach seinem Willen möglichst geräuschlos im Technischen Ausschuss entschieden und nicht im Gemeinderat öffentlich diskutiert werden,“ ergänzt die Grünen-Fraktionsvorsitzende.

So wurden dem Ausschuss zuletzt Pläne für den Bau von Sozialwohnungen vorgelegt. Betroffen wären die Flächen westlich des Edeka-Parkplatzes. Das Gelände trennt das nördliche Wohngebiet vom Betonwerk. Schon im November lagen dem Gremium erste Pläne auf dem Tisch – damals für einen weiteren Verbrauchermarkt. „Nachdem sich das zerschlagen hat, versucht es der Bürgermeister nun mit Wohnungen.“ Zwar habe der Ausschuss die Pläne vorerst gestoppt. Hier würden aber Begehrlichkeiten geschaffen.

„Der Bürgermeister versucht partout einen Fuß in die Tür zu bekommen,“ sagt die Sprecherin der Grünen im Gemeinderat. „Eine Bebauung dieses Teilstücks wäre nur der Anfang. Als nächstes würden dann die Bahnflächen am Wingertspfad erschlossen und natürlich die Leonie-Wild-Straße verbreitert.“ Nicht von ungefähr seien dem Bauausschuss zeitgleich Pläne für eine fünf Meter breite Autobrücke an der Leonie-Wild-Straße zum Beschluss vorgelegt worden. Balling-Gündling: „Damit wird dem Komplettausbau der Straße Vorschub geleistet. Wir brauchen aber keine breiteren Straßen, sondern Konzepte, wie wir den Verkehr reduzieren.“

„Wir lehnen eine Bebauung des Bahndamms entschieden ab. Mit dem Gelände ginge eine wichtige Fläche für die Naherholung verloren. Das wäre letztlich auch das Aus für die Maulbeerallee, die der Bürgermeister versprochen hat“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende, die noch hinzufügt: „Nach dem Gewerbegebiet mit dem umstrittenen Hochregallager muss nun Schluss sein mit weiterer Verdichtung im Süden.“ (ids)

Was sind der Bahndamm und die Maulbeerallee?
Der alte Bahndamm ist eine ehemalige Bahntrasse, die Heidelberg mit Schwetzingen und Speyer verband. Diese wurde auf einer historischen Achse angelegt, die zu Zeiten der Kurfürsten eine Verbindung vom Schwetzinger Schloss bis zum Königstuhl herstellte. Aufgrund der vielen Maulbeerbäume, die damals die Straße säumten, nennt man sie auch „Kurpfälzische Maulbeerallee“.

Die Trasse ist heute wild bewachsen und teilweise als gesetzlich geschütztes Biotop ausgewiesen. In Eppelheim führt die Trasse von der Behelfsbrücke im Süden über den Radweg entlang der Leonie-Wild-Straße bis zum Edeka-Markt, den Sportplätzen und den Birkighöfen.

Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Firma Wild westlich der Kreisstraße sagte der Bürgermeister 2011 den Bürgern am Runden Tisch zu, den Bahndamm als Maulbeerallee zu erhalten. Er sollte Radweg werden und zugleich als Grünzone das angrenzende Wohngebiet vor dem Gewerbelärm abschotten.

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