Grüne informierten über Flüchtlingsunterkünfte

„Die größten Probleme haben die Flüchtlinge“
Zirka 150 Flüchtlinge sollen in einer geplanten Asylbewerberunterkunft in Eppelheim unterkommen. Obwohl noch nicht da, sorgen die Neuankömmlinge bereits jetzt für Verunsicherung, laufen Anwohner Sturm. Ein Grund mehr, das Thema auf die Tagesordnung der jüngsten Mitgliederversammlung zu nehmen. Zu Gast bei der Veranstaltung: der Koordinator des Asyl-Arbeitskreises Schwetzingen Manfred Both.

„Der Kreis sucht händeringend Unterkünfte. Der Flüchtlingszustrom reißt nicht ab. Allein in diesem Jahr wird der Rhein-Neckar-Kreis bis zu 3500 Flüchtlingen aufnehmen. Zusätzliche 1000 Plätze fehlen bis Jahresende. Die Kommunen stehen vor einer Herkulesaufgabe. Auch Eppelheim wird Flüchtlinge aufnehmen müssen“, berichtete Kreisrätin und Fraktionsvorsitzende Christa Balling-Gündling. Das ehemalige Bürogebäude im Gewerbegebiet, in dem der Kreis ab August eine vorübergehende Unterkunft plant, sei zwar nicht ideal, aber besser als eine Unterbringung in Zelten oder Hallen. Um die Situation in den Unterkünften zu verbessern, habe der Kreis 31 zusätzliche Stellen für die Betreuung geschaffen. Balling-Gündling: „In Eppelheim wird ein Sozialarbeiter täglich unter der Woche vor Ort sein.“

Zusätzlich hierzu muss die Stadt anerkannte oder geduldete Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten aufnehmen. Bei diesen Menschen geht es um die Integration in die Gesellschaft und die Aufnahme von Arbeit. Für deren Unterbringung war der Bau von Wohnungen in der Wilhelmstraße geplant. Das Gebäude, in dem zunächst bis zu 20 Menschen unterkommen sollten, war langfristig als sozialer Wohnungsraum angedacht. Nach Widerständen der Anwohner ist es jedoch ungewiss, ob die Pläne umgesetzt werden. Geprüft wird jetzt, Unterkünfte im Gewerbegebiet anzumieten.
„Es war ein Fehler, die Bürger nicht im Vorfeld einzubinden. Die Aufnahme von Flüchtlingen kann nur im gesellschaftlichen Konsens gelingen. Langfristig ist es aber besser zu bauen statt zu mieten. Was wir heute für Flüchtlinge bauen, kommt langfristig dem sozialen Wohnungsbau zugute,“ so Stadträtin Isabel Moreira da Silva. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen fordert sie deshalb, dass Kreis und Stadt baldmöglichst eine Bürgerinformation veranstalten.

Die Flüchtlinge nicht als Belastung, sondern als Chance sehen, dafür plädierte Manfred Both. Aus der täglichen Flüchtlingsarbeit weiß der Initiator des Asyl-Arbeitskreises in Schwetzingen: „Die größten Probleme haben nicht wir, sondern die Flüchtlinge. Leider berichtet die Presse überwiegend negativ. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist jedoch überwältigend.“ Von Begleitung bei Behördengängen, Nachhilfeunterricht, Asylcafé, Erwachsenenbildung bis hin zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten reiche das ehrenamtliche Engagement. „Ein Beispiel gelebter Willkommenskultur, die auch in Eppelheim Schule machen kann“, fand Vorstandsmitglied Stephanie Aeffner. „Wir dürfen nicht vergessen: Die Menschen haben Schlimmes hinter sich. Sie verdienen unsere Unterstützung.“ (ids)

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